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Freikirchliche Kreise lobbyieren gegen Deza und Zewo – CH Media lässt sich dafür einspannen

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22. Juni 2022
Am 17. Juni 2022 ist der Artikel «Christliche Hilfswerke im Nachteil» in mehreren Tageszeitungen von CH Media erschienen. Er ist einseitig, enthält Fehler und verschweigt mehr, als dass er aussagt.
Zewo-News-210622

 

  • Der Beitrag weckt den falschen Eindruck, dass die Zewo christliche Hilfswerke nicht zertifiziere. Er suggeriert, diesen entstehe dadurch ein Nachteil und sie seien deswegen unzufrieden.
    Richtig ist vielmehr, dass zahlreiche christliche Hilfswerke das Zewo-Gütesiegel tragen. Zum Beispiel: Caritas, Heks, Heilsarmee, Fastenaktion, Schweizerischer katholischer Frauenbund, Kolping Werk, Comundo, Mission 21, Medair, Solidarität mit der Welt, Christlicher Friedensdienst und viele mehr. Teilweise tragen sie gleichzeitig das Ehrenkodex-Label, das die Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) ins Leben gerufen hat oder waren zumindest früher dort dabei. Selbstverständlich können sich christliche Hilfswerke von der Zewo zertifizieren lassen. Sie erhalten das Zewo-Gütesiegel, wenn sie die Standards erfüllen. Anders als im Artikel unwidersprochen behauptet wird, haben sie keine Mühe mit einer sogenannten Religionsklausel der Zewo. Die Zewo musste kaum je eine Organisation ablehnen, weil sie überwiegend religiös tätig ist.
  • Der Beitrag stellt sich in den Dienst von einigen freikirchlichen Organisationen, die dem Ehrenkodex der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) angeschlossen sind.
    Viele von ihnen erfüllen die Qualitäts-Standards der Zewo nicht. So publiziert nicht einmal der im Artikel prominent erwähnte Verein «Hilfe für Mensch und Kirche» eine Jahresrechnung auf seiner Website, die seine finanziellen Verhältnisse offenlegen würde.
  • Die Unterschiede zwischen einer Zewo-Zertifizierung und dem SEA-Ehrenkodex seien marginal, wird im Artikel behauptet.
    Das ist eindeutig falsch. In Tat und Wahrheit sind die Unterschiede beträchtlich. Zwar klingen einige Anforderungen ähnlich. Doch damit hat es sich dann auch. Viel wesentlicher ist nämlich, was tatsächlich eingefordert wird. Während die Zewo mit Prüfungen und Nachkontrollen verlangt, dass zertifizierte Hilfswerke sich an alle Standards halten, begnügt sich der Ehrenkodex damit, wenn die NGO nur 85% der möglichen Punkte erreicht. Somit kann die NGO auswählen, welche Normen sie erfüllen will und welche eben nicht. Sie muss weder zwingend eine Jahresrechnung nach Swiss GAAP FER erstellen, noch eine Revision durchführen oder ein Kostendach einhalten. Die Liste der Beispiele liesse sich beliebig verlängern. Eine à la carte Auswahl eben. Dies macht deutlich, dass eine Vielfalt von Gütesiegeln das Qualitätsniveau der NGO nicht erhöht, sondern senkt.
  • Der SEA-Ehrenkodex verlangt von Hilfswerken ausdrücklich einen Glaubensbezug.
    Als Nischenprodukt ermöglicht der Ehrenkodex auch ausgeprägte missionarische Tätigkeiten. Die Zewo-Standards verlangen, dass Menschen unabhängig von ihrem Glauben Hilfe erhalten. Eine solche Formulierung sucht mach im Ehrenkodex vergebens.
  • Dass ein Gutachten dennoch zum Schluss gekommen sein soll, der Ehrenkodex und eine Zewo-Zertifizierung seien zu 98% deckungsgleich, erstaunt doch sehr.
    Wenn man allerdings anfügt, dass die Schweizerische Evangelische Allianz das Gutachten selber in Auftrag gab und dazu einen Experten wählte, dessen Name auch schon auf EVP-Wahllisten zu finden war, erstaunt die Aussage etwas weniger. 
  • Der SEA-Ehrenkodex lässt ethisch problematische 1:1-Patenschaften mit direktem Kontakt zu einem persönlichen Patenkind zu.
    Die Zewo lehnt diesen Marketingtrick ab, ebenso wie führende Schweizer Hilfswerke, der Berufsverband der Fundraiserinnen und Fundraiser und die Deza. In der Schweiz setzt einzig World Vision im grossen Stil auf diese Marketingmethode, welche nicht den Zewo-Standards entspricht. World Vision ist aber auch eine der wenigen – wenn nicht die einzige – NGO, die auf zusätzliche Bundesmillionen hoffen können, sollte die Deza den Ehrenkodex für ihre institutionelle Partner zulassen. 
  • Im Parlament ist in dieser Sache die Schwiegermutter des CEOs von World Vision die treibende Kraft, Mitte-Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach.
    Im Kontext ist dies eine nicht ganz unwesentliche Tatsache. Leider lässt der Journalist die Leserinnen und Leser der diversen Tageszeitungen über diese Verbindung im Dunkeln.
  • Weder die Deza, noch Hilfswerke mit Zewo-Siegel oder die Zewo kommen im Artikel zu Wort.
    Wir haben die Fragen des Journalisten ausführlich beantwortet. Trotzdem zitiert er weder die Zewo, noch ein Hilfswerk mit Zewo-Gütesiegel oder die kritisierte Deza zu den kontroversen Punkten direkt. Umso mehr Raum erhalten die evangelikalen Vertreter, um ihre Sicht zu verbreiten und Forderungen zu erheben. Etwa Marc Jost, der gleichzeitig drei Hüte trägt: Er ist SEA-Geschäftsführer, Stiftungsrat des Ehrenkodex sowie Präsident von Interaction, dem Kompetenzzentrum der SEA für Entwicklungszusammenarbeit. Ebenfalls im Vorstand von Interaction ist Linus Pfister, der als Geschäftsführer eines unbekannten evangelikalen Hilfswerks eine grosse Plattform für seine Botschaften erhält. Ihre Aussagen bleiben im Artikel völlig unwidersprochen. Einseitiger geht es kaum. 

Ob dem Journalisten bewusst war, in wessen Dienst er sich da stellt oder ob er einfach zu wenig recherchiert hat, können wir nicht beurteilen.

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